Wenn aus einem gesunden Baby, ein Krankes wird

Ich schreibe hier über Jonathans Diagnose und den langen Weg bis er das Krankenhaus gesund verlassen durfte. Es gibt mehrere Gründe warum ich mich dafür entschieden habe. Erstens weil ich mir damals die Finger wund gegoogelt habe, auf der Suche nach Familien mit Kindern, die mit dem selben Problem geboren wurden. Leider gibt es darüber kaum Erfahrungsberichte. Ich glaube, über ähnliche Schicksale lesen zu können, hätte mir geholfen besser mit der Situation klar zu kommen. Das hätte mich bestimmt auf so Manches vorbereitet was mich dann leider eiskalt erwischt hat.

Der zweite Grund ist, mir selbst damit zu helfen. Sozusagen als Therapie.

Der dritte Grund ist, allen Eltern deren Kinder eine schwere Krankheit haben oder ähnliches, Mut zu machen und zu zeigen dass sie mit Ihren Gefühlen und Ängsten nicht alleine sind.

Außerdem möchte ich damit zeigen das Eltern trotz der drei Ultraschalle, der Nackenfaltenmessung und einem Organscreening nicht auf der sicheren Seite ist.  Alle diese Untersuchungen können nur das ganz Offensichtliche aufzeigen. Und nicht immer stimmen die vor der  Geburt gestellten Diagnosen.

Ich möchte alle Schwangeren bitten sich gut zu überlegen ob sie weiterlesen möchten. Die kommenden Texte zu diesem Thema könnten Triggern.  Also bitte lies jetzt nur weiter wenn du Dir sicher bist, dass es Dich nicht zu sehr belastet.

 

Nach der Geburt ( Freitag 19.05.17 ) ging es uns erstmal prima. Jonathan hat fleißig gestillt und mir ging es auch den Umständen entsprechend gut. Allerdings hat Joni immer direkt nach dem Stillen grün gespuckt. Da aber das Fruchtwasser grün war, meinte die Hebamme das wäre ok und normal.

Das grün Erbrochene roch eklig, aber ich dachte mir nichts dabei. Am Samstag um 9.00 Uhr kam die Nachsorgehebamme vorbei. Sie schaute sich ihn an und wog ihn. Er hatte von 3150g auf 2880g abgenommen. Kein Wunder, denn es kam ja auch jede Mahlzeit wieder sofort raus. Aber auch die Nachsorgehebamme meinte das wäre normal. Ihm ware einfach schlecht. Pipi hatte er nur ganz wenig und Mekonium hat er einmal als ganz festen Ball abgesetzt. Er trank aber weiterhin super, meldete sich von ganz alleine und schrie so gut wie nie.

Sonntag um 9:00 Uhr wieder Kontrolle durch die Nachsorgehebamme. Sie schaute sich ihn genau an und wog ihn. Er hatte noch mehr abgenommen und wog nur noch 2660g.

Auch Urin war nur ganz ganz wenig in der Stoffwindel und von Mekonium nix zu sehen.Da er etwas gelb war, meinte die Hebamme es wäre nun doch notwendig ihn mal beim Arzt vorzustellen. Ich fragte sie ob es bis zu späten Nachmittag Zeit hätte oder ob wir sofort in die Klinik fahren sollten. Sie meinte es reiche völlig am Nachmittag zu fahren. Ihr ginge es nur um den Billirubinwert. Der sollte kontrolliert werden. Da er aber weiterhin gut trank und auch nicht schlapp oder ähnliches war, machte sie keinen Streß. Sie nahm noch ein paar Tropfen Blut aus der Ferse für den Stoffwechseltest ab. Das gestaltete sich trotz anwärmen recht schwierig, denn es wollte nicht so recht laufen. Danach verabschiedete sie sich und bat um Rückmeldung wenn wir vom Arzt zurück sind.

Gegen Mittag wollten meine Schwiegereltern vorbei kommen um den kleinen Jonathan das erste Mal zu sehen. Da sie über 200km Anfahrt haben wollten wir das Treffen nicht absagen.

Also bereiteten wir alles vor und grillten dann auch zusammen. Joni ging es augenscheinlich gut. Er weinte nicht, trank und schaute um sich, wenn er wach war.

Wir besprachen dass wir uns nachdem Essen auf den Weg in die Kinderklinik machen und die Schwiegereltern dann auf die vier Mädels aufpassen. Ich packte aber vorsorglich doch eine Tasche mit Sachen für eine Nacht. Für den Fall der Fälle. Während ich packte, bekam ich ein immer beklemmenderes Gefühl. Ich kann es kaum beschreiben, aber mir ging es auf einmal nicht schnell genug. Joni sah mir ganz tief in die Augen und mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. Irgendetwas löste eine regelrechte Panik in mir aus. Ich drängelte meinen Mann das ich nun unbedingt los möchte. Bis ins Krankenhaus waren es ca. 25 min Fahrt.

Den ganzen Weg dorthin schlief Joni und ich wurde immer nervöser und motzte meinen Mann an doch bitte schneller zu fahren.

In der Notaufnahme angekommen ging es mir schon etwas besser. Wir sprachen kurz mit der Krankenschwester, erklärten ihr worum es geht und setzten uns ins Wartezimmer. Jonathan stillte, schlief oder lag ganz entspannt um sich schauend in meinen Armen. Ganze 2 Stunden dauerte es bis wir endlich dran kamen. Im Behandlungszimmer erklärte ich dem Assistenzarzt nochmal wieso wir da sind. Jonathan wurde an die Sättigung und den Herzfrequenzmesser angeschlossen. Sättigung bei 91% und HF bei 185 bis 200. Beide Werte zeigten, dass es ihm nicht gut ging. Beim Fieber messen kam dann eine Mini Portion Mekonium. Er hatte kein Fieber. Der Assistenzarzt vermutete eine Neugeboreneninfektion durch das grüne Fruchtwasser und sagte uns dass Jonathan auf jeden Fall zur Überwachung bleiben müsse.

Er schickte uns auf die Kinderintensivstation mit den Worten:“ Machen sie sich keine Sorgen. Jonathan kommt nicht dahin weil er so schlimm krank ist sondern weil woanders kein Bett frei ist.“

Leider hatte er sich geirrt.

 

Vielen Dank fürs lesen! Nächste Woche gibt es Teil 2.

Eure Claudia

 

 

 

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