Teil 2: Die Hoffnung stirbt zuletzt…

Ich war schon sehr genervt und machte mir verständlicherweise Sorgen. Mein Mann ist nach Hause zu den Mädels gefahren, damit Schwiegereltern die Heimreise antreten konnten.

Jonathan und ich folgten der Krankenschwester auf die Intensivstation. Dort angekommen legte man ihn in ein Baby Intensiv Pflegebett. Es wurde noch mehr Blut abgenommen für verschiedene Untersuchungen. Er wurde noch einmal gewogen und vermessen. Ich hatte nun doch angefangen zu weinen. Mein perfektes zu Haus geborenes Baby zu sehen, wie es gepiekt wird und von so vielen Händen angefasst wird. Auf dieser gruseligen Station wo es überall piept und bimmelt. Das alles wurde mir nun doch zu viel. Ich wollte ihn am liebsten einfach nur einpacken und Heim fahren. Mir bat die sehr nette Schwester einen Liegestuhl und einen Tee an. Alle beruhigten mich und meinten es wird bald alles wieder gut sein.

23:30 Uhr

Der Oberarzt kam um sich Jonathan anzusehen. Er bestätigte die Vermutung seines Assistensarztes und meinte 10 Tage Antibiotikum i.V. wären nötig damit er wieder Gesund wird. Puhh…erleichtert aber genervt von dem uns bevorstehenden langen Krankenhausaufenthalt rief ich meinen Mann an um ihm das mitzuteilen. Damit hatte er nicht gerechnet. Wir vereinbarten am folgenden Tag zu besprechen, wie wir die Betreuung der Mädels und die ganzen Dinge zu Hause organisieren wollen. Dann verabschiedeten wir uns.

24:00 Uhr

Irgendwie sprach niemand so wirklich mit mir. Alle wuselten um Jonathan herum, gingen raus,kamen rein, tuschelten und warfen mit Fachbegriffen um sich. Er bekam einen Zugang. Der Oberarzt rollte ein Ultraschallgerät rein. Er fing an Jonathans Bauch zu schallen. Immer wieder sagte er leise etwas zu seinem Assistenzarzt. Zeigte dabei manchmal auf den Bildschirm und benutzte Worte, die ich noch nie vorher gehört hatte.  Das ging ca. 30 min so. Ich stand derweil auf der anderen Seite des Bettchens und streichelte mein weinendes Baby. Mein Magen war so flau und jede Minute die diese Untersuchung länger dauerte wurde mir schlechter. Zwischendurch wagte ich es das Fachgesimpel durch eine Frage zu unterbrechen. Bekam aber nie eine Antwort, sondern nur den Hinweis, dass es noch einen Moment dauert. Mir wurde nun aber klar, dass sie ja etwas gesehen haben mussten was da nicht hingehört oder das etwas fehlt. Es kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor, bis sie endlich fertig waren mit dem Ultraschall.

Der Oberarzt zeigte mir nun wo das Problem lag. Er vermutete eine Darmverschlingung und einen dadurch bedingten Darmverschluss. Ich konnte auf dem Ultraschall, ehrlich gesagt, nichts erkennen. Er meinte, er müsse nun mit dem Chefarzt der Kinderchirurgie telefonieren und wahrscheinlich müsste Jonathan noch in dieser Nacht operiert werden.

Bums….das hat mich umgehauen. Der Oberarzt ging und ich stand einfach nur weinend am Bettchen meines total verkabelten Babys.

1:30 Uhr

Der Oberarzt kommt wieder herein. Er habe mit dem Kinderchirurgen besprochen am nächsten Morgen erst nochmal ein Ultraschall und ein Röntgen zu machen. Danach würde man entscheiden was zu tun ist.

Sie legten Jonathan noch eine Magensonde damit der Mageninhalt abfließen kann und er sich nicht dauernd erbrechen muss. Mit einer Spritze hat die Schwester das Meiste schon aus dem Magen gezogen. 80ml grüner Mageninhalt. Stillen durfte er nun erstmal nicht mehr. Für sein Saugbedürfnis bekam er einen Schnuller. So lag er den Rest der Nacht in meinen Armen. Ich in diesem Liegestuhl mit meinem Baby, was nun doch leider ganz richtig auf dieser Station war.

Am Montag um 9:00 Uhr ging es dann weiter mit den Untersuchungen. Röntgen und Ultraschall mit 2 Kinderchirurgen. Einer von Ihnen spühlte mit einer Spritze, an der  vorne eine Magensonde aufgesteckt war, vom After aus Kochsalz in den Darm. Er versuchte die Sonde soweit wie möglich hoch zu schieben. Zum einen konnte man so im Ultraschall sehen wie weit der Darm durchgängig war, zum anderen bestand noch ein bißchen Hoffnung durch das Kochsalz eine eventuelle Verstopfung zu lösen.. Zuerst vermuteten sie, dass ein Teil des Dickdarms sich in sich verdreht hatte. Doch dann kamen sie zu dem Ergebnis, dass es der obere Teil des Dünndarms war. Der Durchmesser war um das ca.4-5 fache größer als er sein sollte. So stand es nun fest das dort etwas nicht stimmte. Was es genau war konnte man im Ultraschall und auch im Röntgenbild nicht sehen. Also nach kurzer Besprechung der Ärzte, stand fest Jonathan muss operiert werden. Heute noch.

Ich fragte ob es nicht einfach nur eine Verstopfung sein könnte. Hatte Hoffnung es löst sich einfach von alleine. Einmal die Windel voll und wir gehen Heim. Der Oberarzt meinte das könnte passieren, wäre aber unwahrscheinlich. Doch ich klammerte mich den ganzen Vormittag daran fest. Unserem Baby würde so etwas nicht passieren. Wir haben doch schon unsere besondere Aufgabe mit Luisa. Und wenn es doch so ist, was habe ich dann falsch gemacht? War es der Laptop auf dem Schoss während der Schwangerschaft? Hab ich zu wenig Vitamine gegessen? Warum wir? Warum unser wunderschönes Baby? Ist es meine Schuld?

Diese Fragen und noch viel mehr kreisten in meinem Kopf herum. Ich wollte das nicht so hinnehmen. Hielt mein Baby immer noch durchgehend in meinen Armen. Verließ den Raum nur für die Toilette.

Jonathan half die Magensonde sehr. So musste er sich nicht mehr übergeben. Seine Werte stabilisierten sich. Die Nieren waren bei der Aufnahme schon kurz davor ihre Tätigkeit einzustellen. Das lag an dem hohen Flüssigkeitsmangel durch das Erbrechen. Auch dafür bekam er ein Medikament. Er hatte allerdings großen Hunger und verstand nicht warum ich ihm immer wieder dieses doofe Plastikding in seinen kleinen süßen Mund stopfte. Er war so tapfer! Viel stärker als ich, die immer wieder in Tränen ausbrach.

Die Intensivschwestern waren alle sehr nett. Versuchten mich aufzumuntern und zu beruhigen. Mit Sätzen wie:“ Sie brauchen nicht zu weinen, es gibt viel schlimmere Fälle. Das wird schon alles wieder gut.“

Ja, das stimmt. Es gibt sicher viel, viel schlimmere Diagnosen und Krankheiten. Aber hey, der kleine Mensch dort in diesem Bettchen ist mein Fleisch und Blut. Ich hab ihn 9 Monate unter meinem Herzen getragen, mit ihm eine wunderschöne und intensive Geburtsreise erlebt. Ich will nicht, dass ihm jemand weh tut, dass er Schmerzen hat und auch nicht dass ihm der Bauch aufgeschnitten wird. Ich ertrage es nicht ihn vor Hunger schreiend auf meinem Arm zu haben und ihn nicht stillen zu dürfen.

Gegen 12:00 Uhr kam der Kinderchirurg um mir nun genau zu erklären was in der OP gemacht wird und womit wir zu rechnen haben. Ich hörte wie in Watte gepackt zu und bemühte mich nicht zu weinen. Um 16:00 Uhr soll Jonathan vorbereitet werden und in den OP kommen. Dort wird dann der Bauch geöffnet. Die Ärzte gehen von einer Dünndarmartresie aus. Es gibt verschiedene Formen der Artresie. Welche es ist wird man in der OP sehen.

OK…oder auch nicht….auch der Chirurg versichert mir, dass diese Fehlbildung keine Seltenheit ist (Die Häufigkeit der Dünndarmatresie wird auf 1,3:10.000 geschätzt Quelle: http://symptomat.de/D%C3%BCnndarmatresie) und alles bald wieder gut ist. Ich könne mich auf die Chirurgen verlassen. Blablalbla…. Nein ich will das alles nicht! Ich pack mein Baby und gehe. Wie gern hätte ich diesen Satz laut herausgeschrien. Wie gern wäre ich schweißgebadet aufgewacht, mit dem Wissen das alles nur ein Traum war. Ein Albtraum!

Dann folgte das Gespräch mit dem Narkosearzt. Der hatte nun das Pech mit einer heulenden, schluchzenden, voll vermummten ( Mundschutz, Kittel, Haube, Handschuhe) Mutti zu sprechen. Ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen.

Um ca. 15:30 Uhr fingen die Schwestern an alles vorzubereiten. Die Beatmungsmaschine wurde reingeholt und angeschlossen. Ich durfte ihn nun nicht mehr in meinen Armen halten. Musste aus 3 m Entfernung zusehen wie die Schwestern und Ärzte ihn für die OP zurecht machten. Ein Gefühl, als wenn alles um einen herum wie in einem Film abläuft.

Ich wurde gebeten nun in mein Elternzimmer zu gehen. Sie würden sich melden wenn er aus dem OP kommt. So verabschiedete ich mich von Jonathan und ging zum Elternzimmer. Mit jedem Schritt den ich mich von ihm entfernte tat es mir körperlich weh. Ein grausiges Gefühl. Oben angekommen ging ich unter die Dusche und weinte. Alles musste raus. Die Wut, die Angst, die Hilflosigkeit! Nach der Dusche legte ich mich auf das Bett und fiel in einen komatösen Schlaf. Ich hatte ca 34 Stunden nicht mehr geschlafen. In meinem Arm hielt ich seine Babydecke und sein Häubchen. Es duftete alles so herrlich nach Joni. Um 18:45 Uhr wachte ich auf. Nicht viel erholter als davor aber wenigstens geduscht. Mein Weg führte mich ohne Umwege direkt auf die Intensivstation. Dort angekommen lief ich hin und her, die Uhr immer fest im Blick. Um 19:40 Uhr sagte mir die Schwester sie geht nun runter um ihn aus dem Aufwachbereich zu holen. Quälende 15 min später rollte er zu Tür hinein. Wieder durfte ich nur aus der Entfernung zusehen, wie sie ihn an die Beatmungsmaschine anschlossen, alles um ihn herum organisierten und ordneten. Endlich durfte ich zu Ihm. Mein Baby mit so vielen Kabeln und Schläuchen, mit einer riesen Narbe auf seinem süßen Bauch. Nicht nur eine Narbe, auch ein künstlicher Darmausgang war nun ein Teil von ihm.

Der Professor der Kinderchirurgie kam nach ca. einer Stunde um mir genau zu erklären was gemacht wurde und warum.

Jonathan hat eine sogenannte Jejunalatresie Typ IV.

Die Medizin teilt die Atresie des Dünndarms in mehrere Formen ein. Bei Typ I liegt eine Vorwölbung der Membran vor. Von Typ II ist die Rede, wenn blinde Enden bestehen, deren Verbindung durch ein bindegewebiges Band erfolgt. Im Falle von Typ IIIa verfügen die blinden Enden nicht über eine Verbindung. Typ IIIb trägt auch die Bezeichnung Apple-Peel-Deformität. Von Typ IV sprechen Mediziner, wenn mehrere Atresien hintereinander bestehen.

Quelle: http://symptomat.de/D%C3%BCnndarmatresie

Das heißt,ziemlich direkt nach seinem Magen kam ein Stück Darm der intakt war, dann ein Stück Bindegewebe so dick wie ein Bleistift, dann wieder ein Stück intakter Darm. In dieser Reihenfolge lag es ca. 7 mal vor. So hatte sich das Mekonium gesammelt und konnte nicht weiter in den Dickdarm transportiert werden. Es mussten ca. 15 cm Dünndarm entfernt werden. Der obere Dünndarm war durch das angesammelte Mekonium  4-5 mal größer als normal.

Da nun der Durchmesser des oberen Dünndarms größer war als der des unteren unterentwickelten Dünndarms, konnten die beiden Enden nicht einfach wieder zusammengenäht werden. Sie legten einen doppel endständigen Anus praeter an.

Aus dem Bauch schaute nun das Ende des oberen Dünndarms raus, darunter direkt das dünnere, ganz kleine Ende des unteren Dünndarms. Beides war erstmal abgedeckt.

Auf die Frage wie lange es  dauern würde bis alles wieder verheilt ist und wir nach Hause können, sagte er, so genau könne man das nicht sagen. Das wäre bei jedem Kind anders. Aber 6 Wochen mindestens. Wahnsinn,dachte ich mir. Wie sollen wir das schaffen? Wie soll das gehen?

Ich wich nicht von Jonathans Seite, pumpte meine Milch ab und legte meine Elefantenähnlichen Wasserfüße hoch. Was mit diesem blöden Liegestuhl nicht wirklich klappte.

Ihn da liegen zu sehen, riß mir das Herz in tausend Teile. Ich hätte sofort mit ihm getauscht, um ihm das alles zu ersparen.

So verging die erste Nacht nach der OP ohne Komplikationen.

 

 

Nächste Woche kommt dann Teil 3.

Bis bald,

Claudia

 

 

Wenn aus einem gesunden Baby, ein Krankes wird

Ich schreibe hier über Jonathans Diagnose und den langen Weg bis er das Krankenhaus gesund verlassen durfte. Es gibt mehrere Gründe warum ich mich dafür entschieden habe. Erstens weil ich mir damals die Finger wund gegoogelt habe, auf der Suche nach Familien mit Kindern, die mit dem selben Problem geboren wurden. Leider gibt es darüber kaum Erfahrungsberichte. Ich glaube, über ähnliche Schicksale lesen zu können, hätte mir geholfen besser mit der Situation klar zu kommen. Das hätte mich bestimmt auf so Manches vorbereitet was mich dann leider eiskalt erwischt hat.

Der zweite Grund ist, mir selbst damit zu helfen. Sozusagen als Therapie.

Der dritte Grund ist, allen Eltern deren Kinder eine schwere Krankheit haben oder ähnliches, Mut zu machen und zu zeigen dass sie mit Ihren Gefühlen und Ängsten nicht alleine sind.

Außerdem möchte ich damit zeigen das Eltern trotz der drei Ultraschalle, der Nackenfaltenmessung und einem Organscreening nicht auf der sicheren Seite ist.  Alle diese Untersuchungen können nur das ganz Offensichtliche aufzeigen. Und nicht immer stimmen die vor der  Geburt gestellten Diagnosen.

Ich möchte alle Schwangeren bitten sich gut zu überlegen ob sie weiterlesen möchten. Die kommenden Texte zu diesem Thema könnten Triggern.  Also bitte lies jetzt nur weiter wenn du Dir sicher bist, dass es Dich nicht zu sehr belastet.

 

Nach der Geburt ( Freitag 19.05.17 ) ging es uns erstmal prima. Jonathan hat fleißig gestillt und mir ging es auch den Umständen entsprechend gut. Allerdings hat Joni immer direkt nach dem Stillen grün gespuckt. Da aber das Fruchtwasser grün war, meinte die Hebamme das wäre ok und normal.

Das grün Erbrochene roch eklig, aber ich dachte mir nichts dabei. Am Samstag um 9.00 Uhr kam die Nachsorgehebamme vorbei. Sie schaute sich ihn an und wog ihn. Er hatte von 3150g auf 2880g abgenommen. Kein Wunder, denn es kam ja auch jede Mahlzeit wieder sofort raus. Aber auch die Nachsorgehebamme meinte das wäre normal. Ihm ware einfach schlecht. Pipi hatte er nur ganz wenig und Mekonium hat er einmal als ganz festen Ball abgesetzt. Er trank aber weiterhin super, meldete sich von ganz alleine und schrie so gut wie nie.

Sonntag um 9:00 Uhr wieder Kontrolle durch die Nachsorgehebamme. Sie schaute sich ihn genau an und wog ihn. Er hatte noch mehr abgenommen und wog nur noch 2660g.

Auch Urin war nur ganz ganz wenig in der Stoffwindel und von Mekonium nix zu sehen.Da er etwas gelb war, meinte die Hebamme es wäre nun doch notwendig ihn mal beim Arzt vorzustellen. Ich fragte sie ob es bis zu späten Nachmittag Zeit hätte oder ob wir sofort in die Klinik fahren sollten. Sie meinte es reiche völlig am Nachmittag zu fahren. Ihr ginge es nur um den Billirubinwert. Der sollte kontrolliert werden. Da er aber weiterhin gut trank und auch nicht schlapp oder ähnliches war, machte sie keinen Streß. Sie nahm noch ein paar Tropfen Blut aus der Ferse für den Stoffwechseltest ab. Das gestaltete sich trotz anwärmen recht schwierig, denn es wollte nicht so recht laufen. Danach verabschiedete sie sich und bat um Rückmeldung wenn wir vom Arzt zurück sind.

Gegen Mittag wollten meine Schwiegereltern vorbei kommen um den kleinen Jonathan das erste Mal zu sehen. Da sie über 200km Anfahrt haben wollten wir das Treffen nicht absagen.

Also bereiteten wir alles vor und grillten dann auch zusammen. Joni ging es augenscheinlich gut. Er weinte nicht, trank und schaute um sich, wenn er wach war.

Wir besprachen dass wir uns nachdem Essen auf den Weg in die Kinderklinik machen und die Schwiegereltern dann auf die vier Mädels aufpassen. Ich packte aber vorsorglich doch eine Tasche mit Sachen für eine Nacht. Für den Fall der Fälle. Während ich packte, bekam ich ein immer beklemmenderes Gefühl. Ich kann es kaum beschreiben, aber mir ging es auf einmal nicht schnell genug. Joni sah mir ganz tief in die Augen und mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. Irgendetwas löste eine regelrechte Panik in mir aus. Ich drängelte meinen Mann das ich nun unbedingt los möchte. Bis ins Krankenhaus waren es ca. 25 min Fahrt.

Den ganzen Weg dorthin schlief Joni und ich wurde immer nervöser und motzte meinen Mann an doch bitte schneller zu fahren.

In der Notaufnahme angekommen ging es mir schon etwas besser. Wir sprachen kurz mit der Krankenschwester, erklärten ihr worum es geht und setzten uns ins Wartezimmer. Jonathan stillte, schlief oder lag ganz entspannt um sich schauend in meinen Armen. Ganze 2 Stunden dauerte es bis wir endlich dran kamen. Im Behandlungszimmer erklärte ich dem Assistenzarzt nochmal wieso wir da sind. Jonathan wurde an die Sättigung und den Herzfrequenzmesser angeschlossen. Sättigung bei 91% und HF bei 185 bis 200. Beide Werte zeigten, dass es ihm nicht gut ging. Beim Fieber messen kam dann eine Mini Portion Mekonium. Er hatte kein Fieber. Der Assistenzarzt vermutete eine Neugeboreneninfektion durch das grüne Fruchtwasser und sagte uns dass Jonathan auf jeden Fall zur Überwachung bleiben müsse.

Er schickte uns auf die Kinderintensivstation mit den Worten:“ Machen sie sich keine Sorgen. Jonathan kommt nicht dahin weil er so schlimm krank ist sondern weil woanders kein Bett frei ist.“

Leider hatte er sich geirrt.

 

Vielen Dank fürs lesen! Nächste Woche gibt es Teil 2.

Eure Claudia

 

 

 

Was hilft wenn die Zähne kommen?

Unglaublich, aber unser Jüngster zahnt seit er ca. 16 Wochen alt ist. Wie bei fast allen Dingen reagiert hier jeder Mensch unterschiedlich. Bei ihm fing es damit an, dass er es mochte auf meinen und seinen Fingern rumzubeißen. Dann kam auch das exteme Speicheln dazu. Die weißen Schatten der Schneidezähnchen im Unterkiefer schimmerten durch. Die Mädels waren nie so früh dran. Mir tat er wirklich leid, denn besonders in den Abendstunden scheint es ihn arg gequält zu haben. So besorgte ich alles was meinen Töchtern schon geholfen hatte. Ich wollte ihm verschiedene Dinge anbieten aus denen er sich das raussuchen kann was ihm gerade am besten hilft.

  • Kühlbeißringe wie den Nip Kühlbeißring mit langen Beißelementen und den MAM Cooler. 
  • Etwas hartes aus Holz. Entweder unbehandelt oder mit ungiftigen, speichelechten Farben bemalt. Unsere Kinder lieben die Skwish Motorikschleife.  Die können sie sehr gut greifen und dann darauf herumbeißen. Aber auch von Grimm oder Haba gibt es tolle Greiflinge die sich zum draufbeißen eignen.
  • Eine Veilchenwurzel ist für uns auch unerlässlich. Alle meine Kinder haben sie geliebt. Durch das einspeicheln und kauen lösen sich Ätherische Öle und Schleimstoffe wirken kühlend und schmerzstillend auf die wunden Stellen im Mund. Wir bes´festigen sie immer an einer Schnullerkette. Wenn die Babys schon Zähnchen haben, sollte man aufpassen das keine Stücke abgebissen werden.
  • Ein nasser, kalter Waschlappen wird auch sehr gern genommen. Oder auch eine Mullwindel oder ein Kuscheltier.
  • Finger, Nase und Kinn von Mama, Papa oder den Geschwistern sind sehr beliebt. Allerdings ist man dann auch voll mit Babysabber.

Nun und dann gibt es noch die Dinge die ich ihm bei Bedarf gebe. Dazu gehören:

  • Die Bernsteinkette ziehe ich ihm gern an. Auch wenn ich einen nutzen noch nicht wirklich gemerkt habe.
  • Das Zahnöl der Bahnhofsapotheke mag ich sehr. Das trägt man äußerlich  da auf wo die Wangen gerötet sind. Bei den Schneidezähnen über und unter der Lippe. Bitte nicht auf die Schleimhäute, die Lippen oder das Zahnfleisch auftragen.
  • Osanit zuckerfreie Zahnungskügelchen. Die helfen meinen Babys und sogar den älteren Kindern sehr gut.
  • Wenn nichts mehr geht, gebe ich ein Viburcol Zäpfchen.

Ansonsten ist viel kuscheln, Tragen im Tuch oder der Trage angesagt. Das tröstet besonders gut!

Von Dentinox oder ähnlichen Gelen die direkt aufs Zahnfleisch aufgetragen werden halte ich persönlich nichts. Probiert aus was Eurem Baby gut tut.

Bis bald,

Eure Claudia

Unsere Hausapotheke

Jetzt beginnt die kalte Jahreszeit und damit auch die Zeit, in der die Kinder jeden erdenklichen Virus mit nach Hause bringen.

Bei uns kommt da schon was zusammen, da vier Kinder, vier verschiedene Einrichtungen besuchen. Unsere 5 Jährige ist leider schon immer anfällig für Erkältungen, die sich leider schnell zu einer  obstruktiven Bronchitis oder gar Lungenentzündung entwickeln. Die anderen Kinder stecken Infekte meist ganz gut weg und sind schnell wieder fit.

Ich bin mit Medikamenten immer sehr zurückhaltend und versuche immer auch Hausmittel bevor ich zu Härterem greife. Wir haben immer die von uns am häufigsten benötigten Medikamente zu Hause. Ich möchte Euch heute mal zeigen welche das sind.

Ich bin kein Arzt oder Apotheker und berichte hier nur von meinen eigenen Erfahrungen.

Als erstes möchte ich Euch ein sehr gutes Buch zum Thema empfehlen. Es ist ein sehr dickes Buch mit vielen und guten Informationen zu den häufigsten Krankheiten im Kindesalter. Es beinhaltet viele Bilder, Tips und Hausmittel passend zu jeder Krankheit. Gesundheit für Kinder ist immer einen Blick wert.

Desweiteren besitze ich einige Bücher zum Thema Homöopathie. Der Quickfinder für Kinder ist Eines was ich sehr empfehle.

Ich habe auch eine Globuli Hausapotheke. Das würde hier aber zu weit führen. Wenn ihr dazu mehr wissen wollt, mache ich dafür einen extra Post.

Nun aber zu unseren Medikamenten. Grundsätzlich sei gesagt: Ich lasse meine Kinder Fiebern so lange es ihnen dabei gut geht. Fieber hat ein Wirkung gegen den Virus bzw die Krankheit. Es immer gleich zu senken ist eher kontraproduktiv für die Genesung.

Zum Thema ätherische Öle bei Kindern: Bitte seid damit immer vorsichtig. Meidet Babix -Tropfen oder ähnliches.  Ätherische Öle wie Pfefferminze, Eukalyptus, Ackerminze,bekannt als japanisches Heilpflanzenöl (Mentha arvensis)
Kümmel (Cumin carvi), Salbei (Salvia officinalis), Thymian Chemotypen Thymol und Carvacrol, Ysop und Kampher  haben aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung eine sehr starke und reizende Wirkung. Diese kann bei Babys und Kindern unter 12 Jahren  zu Atemnot, bis hin zum Atemstillstand führen. Bitte beachtet, wenn ihr für Säuglinge und kleine Kinder Grippe- und Husteneinreibemittel kauft, diese frei von Kampher und Menthol sind.

Das haben wir für die Kinder und den Babymann immer im Haus:

Viburcol: Homöopathische Zäpfchen bei Unruhezuständen. Gebe ich bei schlimmen Zahnungsbeschwerden und z.B. Fieber wenn das Kind sich nicht wohlfühlt dabei.

Carum carvi Zäpfchen: Homöopathische Zäpfchen bei Blähungen und Bauchkrämpfen

Engelwurzbalsam von der Bahnhofs- Apotheke: Ätherische Salbenmischung. Bei Schnupfen einfach auf die Nasenflügel auftragen. So bekommt das Baby besser Luft und die wunde Nase wird gleichzeitig gepflegt.

Thymian- Myrte- Balsam von der Bahnhofs- Apotheke: Ätherische Salbenmischung. Bei Erkältung und Husten auf Brust oder Rücken auftragen.

Otovowen: Homöopathische Mischung zum Einnehmen bei Mittelohrentzündung und Schnupfen.

Ibuprofen Saft:  Gegen Fieber und Schmerzen.

Euphrasia Augentropfen: Bei roten Augen, Bindehautentzündung, tränenden Augen.

NaCl 0,9%:  Zum inhalieren mit dem Pariboy, als Nasentropfen bei Erkältung.

Mama natura Insectolingel: Hilft super bei juckenden Insektenstichen.

 

Für Stoß- und Schürfverletzungen haben wir immer da:

Calendula Essenz:  Zum Reinigen und ausspülen von Wunden. Behandlung von Wunden und oberflächennahen Entzündungen.

OcteniseptWundspray: Wässriges Schleimhaut- und Wundantiseptikum, frei von Phenolen, organischen Quecksilberverbindungen und PVP-Iod. Bei Kindern, Kleinkindern und Frühgeborenen ohne Einschränkung einsetzbar.

Arnica Salbe

Combudoron Gel:  Bei Verbrennungen, Sonnenbrand und Insektenstichen

Mirfulan Wund- und Heilsalbe: mit Zink

Bepanthen Wund- und Heilsalbe

Pflaster und selbstklebenden Verband

Für uns Erwachsene:

Ibuprofen 400 :   Gegen Schmerzen

Kamilleblüten:  Zum inhalieren bei Erkältung

Ileon Zugsalbe: Bei eingewachsenen Nägeln, Splittern o.ä. Kann auch bei den Kindern angewendet werden.

BACH ORIGINAL Rescue Tropfen alkoholfrei 

Dann haben wir noch ein Braun Ohr Thermometer und ein Reer Fieberthermometer. Einen Pariboy Junior zum inhalieren mit NaCl und einen Nasensauger für den Staubsauger. Bei dem Nasensauger war ich echt skeptisch. Jetzt bin ich total überzeugt.

Alles andere besorge ich dann wenn wir es benötigen.

Mit dieser Austattung fahre ich seit Jahren sehr gut. Nun wünsche ich Euch ein tolles Wochenende und bleibt gesund!

Bis bald,

Eure Claudia

 

 

 

 

 

 

Kranke Kinder gehören nach Hause!

Sehr guter Blogartikel! Stimme dem voll und ganz zu und habe es leider auch schon oft miterlebt. In Ländern wie z.B. Luxemburg und Frankreich ist das allerdings schon Standard dass Eltern ihre Kinder krank in Schule und Kita geben. Da gehen Eltern auch unter der Woche um 21 :00 in die Notaufnahme um dem kranken Kind die Medizin für den nächsten Tag verschreiben zu lassen. Die wird dann einfach mit in die Kita oder die Schule gegeben. Schlimm für die Kinder, deren Gesundheit und die Betreuer die sich dann um die kranken Kinder kümmern müssen.

 

Eltern sein - Familie leben

Wer jetzt denkt, meine Überschrift würde nicht mehr als eine absolute Selbstverständlichkeit aussagen, der wohnt wahrscheinlich nicht in meinem Heimatort – und ehrlicherweise wohl nicht einmal in Deutschland. Denn nicht nur der Gemeindeverwaltung meines Ortes fällt jedes Jahr aufs Neue auf, dass Eltern dieses elementare Basiswissen offenbar nicht mehr in Gänze in sich tragen, auch die überregionale Tagespresse berichtet immer mal wieder über diesen Umstand.

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Unser Wickeltisch mit Stoffwindeln

Premiere! 

Mein erstes Video bei Youtube. Perfekt ist anders, aber ich hoffe ihr habt trotzdem Freude beim gucken.

Unser Wickeltisch

Die tolle Thermoskanne bekommt ihr hier:
Emsa 502486 Pump-Isolierkanne, 1,9 Liter, Edelstahl, Anthrazit, Pronto
Das schöne Mobile ist dieses hier:
Legler Mobile „Segelboote mit Leuchtturm“ aus Holz, bunt lackiert, ein toller Blickfang für das Baby- und Kinderzimmer, von Geburt an geeignet
Das Behälter Set:
IKEA 5054809397460 ÖNSKLIG Behälter 4er-Set, weiß
Die bunten Mullwaschlappen sind diese hier:
Popolini Mull-Waschlappen Bio-Baumwolle 3er-Set St. Malo
Unter diesem Link findet ihr die Molton Waschlappen:
ImseVimse Waschlappen kbA, grün-blau 12 Stück
Aufbewahrungskörbe:
ihomagic Organisations-Körbe zur Aufbewahrung, aus Baumwolle / Leinen, 3er-Set
Der Heizstrahler:
Reer 1909 Wickeltischheizstrahler mit Standfuß

So, nun ist aber Feierabend.

Bis bald,

Eure Claudia

Unser Windelfrei Experiment

Von Windelfrei habt ihr bestimmt schon mal gehört. Ich hab das erste Mal davon gehört als ich mit meiner zweiten Tochter 2006 schwanger war. Damals war es mir ehrlich gesagt suspekt und ich habe mich nicht weiter damit befasst.

Ich las dann viel in Foren mit, las das Buch Auf der Suche nach dem verlorenen Glück und kannte auch eine Mama die Windelfrei erfolgreich mit ihrem Sohn praktizierte. Es faszinierte mich und ich bewunderte alle Eltern die es schafften in einer so tollen Kommunikation mit ihren Babys zu stehen. Meine Versuche die Signale meiner Tochter richtig zu deuten schlugen meist fehl. Nach etlichen Pannen und nassen Klamotten gab ich relativ schnell auf.

Als ich wieder schwanger war, überlegte ich ob ich es nicht doch noch einmal mit dem Abhalten wagen sollte. Ganz entspannt und ohne Druck. Die Kleine wurde im Februar geboren. Es war draußen richtig kalt und wir wohnten in einem alten Bauernhaus in dem es dauerhaft nur so um die 17-19°C hatte. Da war es mir für Windelfrei mit einem Neugeborenen zu kalt und als es wärmer wurde waren wir im Umzugsstreß inkl. Eingewöhnung ins neue Zuhause etc. Allerdings entschied sie mit ca 20 Monaten das Windeln doof sind und zog sich dieselbigen bei jeder Gelegenheit aus. So kam es des öfteren vor das man durch eine kleine Pfütze lief und überall Handtücher herumlagen. Wir haben sie nicht spüren lassen wie sehr uns diese Pfützen und Häufchen nervten. Haben sie ermutigt rechtzeitig auf ihr Töpfchen zu gehen oder uns Bescheid zu sagen. Es klappte immer besser und mit 24 Monaten war sie weitgehend Windelfrei.

Bei unserer vierten Tochter hab ich wieder einen ernsten Windelfreiversuch gestartet. Bei jedem wickeln hab ich sie abgehalten,versucht ihre Signale zu deuten. Doch auch diesmal klappte es nicht wirklich und ich gab auf.

Nun bei unserem Sohn hab ich gar nicht darüber nachgedacht. In unserem Alltag konnte ich mir nicht vorstellen jedes Pippi abzufangen bzw. die Ruhe zum Signale deuten und abhalten zu haben.

Als wir dann nach langen 10 Wochen Krankenhaus endlich zu Hause waren, mussten wir uns auch erstmal eingewöhnen und sich alles einspielen. Doch schon in der ersten Woche hat er mir deutlich gezeigt wenn er das Bedürfnis hatte sein großes Geschäft zu machen. Das war ca. 4 mal am Tag und 1x nachts der Fall.

Da er dabei immer sehr mitdrückte und presste, dachte ich ihm würde das Abhalten über einem Topf schneller und leichter eine Erleichterung verschaffen. So lief ich in die Küche und nahm eine mittelgroße Rührschüssel aus der Schublade um sie ihm bei nächster Gelegenheit unter seinen Poppes zu halten.

Überraschenderweise klappte es sofort und hatte auch die gewünschte Wirkung. Es viel ihm deutlich leichter und er war somit auch schneller fertig.

Mittlerweile macht er nur noch einmal alle 1-2 Tage Groß und das landet zuverlässig in der Schüssel. Ansonsten halte ich ihn bei jedem Wickeln ab, was er dann auch meistens zum Pipi machen nutzt.

So sind wir nun ganz ungeplant teilzeit Windelfrei. Ich freu mich sehr darüber und hoffe dass es weiterhin so gut läuft.

Bis bald,

Eure Claudia

 

 

 

 

 

19.5.2017 ein guter Tag um geboren zu werden

Seit ein paar Tagen fühlt sich alles nach Geburt an. Der Bauch hat sich gesenkt, ab und an merke ich Wehen in regelmäßigen Abständen mit leichtem Druck nach unten. Der Nestbautrieb bringt meine Familie um den Verstand. Ich mag alles sauber, ordentlich und organisiert haben.

Ich bin bei 37+2 angekommen und laut Hebamme ist alles geburtsbereit.

Der Pool steht noch eingepackt im Flur aber der Rest ist bereitgelegt. Ich bin mit meinen 4 Mädels allein zu Haus, mein Mann noch auf Dienstreise in Irland. Am 18.5. lasse ich meinem Putz- und Aufräumdrang freien lauf.

Merke aber deutliche Vorwehen und auch das ab und zu etwas Flüssigkeit abgeht. Vermute Fruchtwasser, will aber abwarten bis ich mir 100% sicher bin.

Räume weiter auf, bringe die Mädels ins Bett und bereite die letzten Dinge für die Hausgeburt vor.

Um 23 Uhr gehe ich zufrieden aber auch völlig ko ins Bett. Ich liege wie immer auf der Seite und versuche einzuschlafen. Um 23:15 Uhr verspühre ich ein zartes Ploppen in mir und viel Nasses was aus mir fließt. Die Fruchtblase ist geplatzt. Ich stehe auf und klemme mir ein Handtuch zwischen die Beine um nicht alles voll zu kleckern. Gehe in das Zimmer meiner und wecke sie. Wir gehen runter ins Wohnzimmer um Wasser in den Pool zu lassen. Während ich die Hebamme anrufe füllt sich der Pool langsam mit Wasser. Meine Hebamme ist noch bei einer anderen Hausgeburt, die Sie aber gerade ins Krankenhaus verlegt haben. Sie macht sich auf den Weg.

Mein Mann ist dank Whats App Videotelefonie live dabei. Er diskutiert immer wieder mit V. wie sie am besten das Poolwasser richtig warm bekommt etc. Mich nervt das und ich versuche die zwei auszublenden.

Ich atme ruhig mit den Wellen zum Baby hin. Die Wellen sind schon recht unangenehm und kommen regelmässig alle 3-4 Minuten.

Die Hebamme ist endlich da, fragt wie es mir geht und wie sie mir am besten helfen kann. Sie macht es sich mit meiner Tochter auf dem Sofa gemütlich. Ich entscheide mich in den Pool zu gehen. Dort sind die Wellen sehr gut aushaltbar. Allerdings werden die Wellen auch schwächer und die Abstände größer. Meine Hebamme bittet mich doch lieber an Land weiter zu machen.

Also steige ich aus dem Pool und hänge mich stehend an meine Hängematte. Die Wellen werden wieder stärker und die Abstände kürzer. Nun merke ich auch wie sein Köpfchen nach unten drückt. Ich verspühre den Drang mitzuschieben. Also schiebe ich, aber nichts passiert.

Nach 15 min und etlichen Stellungswechsel untersucht meine Hebamme mich zum ersten Mal. Der Muttermund war bis auf einen Saum voll eröffnet, allerdings war vor dem Köpfchen noch eine gefüllte Fruchtblase. In der nächsten Wehe eröffnet sie diese Blase und schiebt den Saum etwas beiseite. Das war sehr unangenehm.

Ich gehe wieder in die Hocke und schiebe in jeder Welle mit. Aber es geht nicht voran.  Ich bin am verzweifeln und fluche. Meine Hebamme bittet mich zu hecheln und nicht mehr mitzuschieben.  Sie möchte mir ein homöopathische Mittel spritzen was den Muttermundsaum weich machen bzw verschwinden lassen soll.

Ab da wurde es laut. Ich hörte wie die Kinder in der ersten Etage wach wurden. Meine große Tochter ging hoch um die Kids zu beruhigen und mit Frühstück zu versorgen.

Die Presswehen brachten mich fast um den Verstand. Ich presste nun was das Zeug hielt einfach damit diese Schmerzen endlich ein Ende finden. Ich hing hockend vor der Hängematte. Dann wurde der Kopf geboren und der Körper rutschte in der nächsten Welle hinterher. Es ist 6:56 Uhr und ich halte unseren Sohn in meinen Armen. Das fruchtwasser war grün aber ihm ging es prima. Wir kuscheln uns aufs Sofa und atmen erstmal durch. Mein Große macht das erst Foto und schickt es meinem Mann. Meine Hebamme ruft eine Zweite hinzu. Bis sie kommt bleibt der Kleine auf mir liegen. Nachdem die Nabelschnur auspulsiert war, durchtrennte sie die 4 Jährige, nun  große Schwester, stolz.

Ich bin,zum erstaunen meiner Hebamme, vollkommen heil geblieben.

Nachdem messen und wiegen fahren die Hebammen nach Hause und ich werde von meinen großen Kindern mit Essen und Trinken versorgt. Alle bestaunen ihren kleinen Bruder.

Diese Geburt war widererwartend die Anstrengendste.

Ich bin so stolz auf mein älteste Tochter! Sie hat mich so super unterstützt, mich versorgt und war die ganze Zeit an meiner Seite. Sie hätte jederzeit in ihr Bett gehen können, wollte aber die Geburt ihres Bruders ganz miterleben.

Nun sind wir zu Sechst und überglücklich!

Bis bald,

Eure Claudia

10 Wochen Kinderklinik

Das ist der Grund warum es hier so still war. Wir haben eine sehr schwere und harte Zeit hinter uns.

Unserem kleinen J. musste am dritten Lebenstag in einer dreistündigen Operation 15cm Dünndarm entfernt werden. Er bekam einen künstlich Darmausgang. 9 Wochen künstliche Ernährung, zwei weitere Operationen und dazwischen Komplikationen in Form von Katethersepsis u.ä. haben wir bzw er hinter uns. Ich bin 10 Wochen nicht von seiner Seite gewichen. Hab nicht eine Nacht ohne ihn verbracht und mit ihm gekämpft. Mein Mann hat unglaubliches geleistet damit ich bei J. bleiben konnte. Meine Mädels haben so tapfer auf mich verzichtet. Meine Schwiegermutter und unsere Freunde haben uns so wundervoll unterstützt. Ohne sie wäre das alles so nicht möglich gewesen. Ich bin so dankbar dafür.  Ich hab in meinem Leben noch nie solche Ängste gehabt und so viel geweint wie in diesen 10 Wochen.

Unser kleiner Kämpfer hat alles gut überstanden. Er ist so tapfer! 

Nun sind wir seit drei Wochen zu Hause und sind endlich im Alltag angekommen. Ja, Alltag kann so schön sein! Ich bin so dankbar, dass wir alle Sechs endlich zusammen sind.

Wenn ihr genaueres wissen möchtet und ich die Kraft dazu habe schreibe ich gern detailliert was genau in den 10 Wochen alles passiert ist.

Morgen sind wir zur Kontrolle wieder in der Kinderklinik und mir ist etwas flau im Magen. 

Ich versuche nun zu schlafen und melde mich morgen zurück.

Eure Claudia

Sich auf die Geburt vorbereiten 

Jede Schwangerschaft ist anders & somit auch jede Geburt.

Wenn man das erste Mal schwanger ist, hat man das Glück nicht zu wissen wie anstrengend, schmerzhaft, kraftvoll und wunderschön eine Geburt ist. 

Eine Geburt kann unendlich viele Facetten haben.

Das heißt, ich kann mich auf meine Geburt so gut wie möglich vorbereiten und doch bleibt immer eine gewisse Variable die ich nicht planen kann. Dessen muß ich mir immer bewußt sein.

Ich muß davor aber keine Angst haben! Nein, Angst ist ein Gefühl was verspannt & verkrampft. Das können wir vor und während der Geburt so gar nicht gebrauchen.

Den Frauen vorzumachen jede Geburt kann oder sogar muß schmerzlos oder gar orgasmisch sein, finde ich einen falschen Weg. Klar wäre das toll und auch erstrebenswert, aber man darf sich nicht darauf versteifen.

Wir sind alle verschieden! Was bei der einen Frau funktioniert muss nicht bei einer anderen genauso funktionieren. Jeder Mensch hat ein anderes Schmerzempfinden, eine Art bzw einen  Trick sich zu entspannen und seine Ängste & Sorgen zu kompensieren.

Die Schwangerschaft kann man also sehr gut nutzen sich selbst besser kennenzulernen. Sich seiner Ängste und Sorgen bewußt zu werden und sie mit der Hebamme, Freundin, Partner etc besprechen und lösen. Zu lernen wie, wo, womit & mit wem kann ich mich entspannen und loslassen? Welche Methoden helfen mir?

Um Ideen oder Anregungen zu finden kann Frau aus einem guten Angebot von Büchern , Foren, Blogs und Internetseiten schöpfen.

Wichtig ist auf das eigene Bauchgefühl und Herz zu hören! Nicht auf das was Familie und Freunde für Richtig oder Falsch halten. Die Geburt betrifft in erster Linie Mutter und Kind. Denn diese zwei müssen die Geburtsreise durchleben.

Bei aller Vorbereitung  muß Frau sich bewußt sein, dass unter der Geburt manche Übungen vielleicht nicht die gewünschte Wirkung zeigen, oder z.B. der schöne Geburtspool doch nicht die Entspannung bringt bzw zu viel Entspannung und die Wehen nachlassen.

Für mich persönlich ist das Wichtigste in der Geburt jede Wehe anzunehmen. Sie als etwas positives und unerlässliches zu akzeptieren. Ohne Sie gibt es keine Geburt und kein Baby.
Loslassen und nicht verkrampfen. Trotz Hybnobirthing habe ich bisher keine schmerzlose oder gar orgasmische Geburt gehabt. Ich habe meine ganz eigene Atemtechnik und die ist völlig intuitiv und nicht einstudiert. Ich bleibe ganz bei mir, dem Baby und horche auf das was mein Körper gerade braucht. 

So waren meine Geburten schmerzarm und wunderschön. Bei den Hausgeburten habe ich keinerlei Geburtsverletzungen davon getragen und war immer sehr schnell wieder fit. Einen Geburtsvorbereitungskurs habe ich in den zwei ersten Schwangerschaften besucht. Für den Austausch und Grundinfos fand ich beide prima. In der dritten Schwangerschaft habe ich einen Yogakurs für Schwangere besucht und fand ihn absolute Spitze. Es tat richtig gut neben dem Austausch mit anderen Schwangeren auch Übungen für Geist und Körper zu machen.

Jetzt in der fünften Schwangerschaft habe ich keinen Platz mehr im Yogakurs bekommen und hab auch sonst nichts Geburtsvorbreitendes getan. Tja, mit 4 Kids ist die Zeit doch etwas knapper.

Auf unsere fünfte Geburtsreise bin ich sehr gespannt. 

Bis bald, 

Eure Claudia